06. Aug. 2025 | Allgemein | Fachartikel

Publikation - Trojanische Pferde in der Onkologie (P. Holzhauer und F. Götte)

Trojanische Pferde in der Onkologie. Autoren: Peter Holzhauer, Frederik Götte. Erschienen in: om Zeitschrift für Orthomolekulare Medizin, 2024 (10–13, 10.1055/a-2311-8013)

Trojanische Pferde Publikation Thieme

Zusammenfassung

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) sind eine neue Medikamentenklasse mit zytotoxischer Wirkung. Sie ergänzen das Angebotsspektrum der onkologischen Therapieoptionen. Neuere ADC haben eine höhere Effektivität, die jedoch auch eine höhere Toxizität bedeuten kann. In dem Beitrag stellen die Autoren einzelne ADC mit ihren zugelassenen Behandlungsoptionen vor.

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Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) ergänzen sehr erfolgreich das Portfolio der zielgerichteten Therapien in der Onkologie. Diese neue Medikamentenklasse verbindet 3 Elemente, von den 2 eine eigene zytotoxische Wirkung entfalten können. Dabei fungiert der monoklonale Antikörper, der gegen ein wichtiges Protein auf Tumorzellen gerichtet ist, als eine Art Trägersubstanz, die den Teil der zielgerichteten Aufgabe übernimmt. Über ein Kopplungselement, den sog. Linker, wird der eigentliche Wirkstoff – i. d. R. ein Zytostatikum – an den Antikörper gekoppelt [1].

Nach Bindung des Antikörpers an das Zielprotein auf der Tumorzelle wird der gesamte Antikörper-Wirkstoffkomplex durch den zellulären Prozess der Endozytose in das
Zellinnere internalisiert. Hier wird bedingt durch den unterschiedlichen intrazellulären pH-Wert das Zytostatikum vom Linker abgekoppelt. Je nach Wirkweise des Zytostatikums erfolgt dann die zytotoxische Wirkung im Zytosol oder im Zellkern. Als Endeffekt wird durch beide Wirkungen der programmierte Zelltod, die Apoptose, ausgelöst.
Der sog. Bystander-Effekt der im Zytosol agierenden Zytostatika beschreibt eine zusätzliche Wirkung auf andere Tumorzellen in der Mikroumgebung. Der zytotoxische Wirkstoff wird dann auch von den umgebenden malignen Zellen intrazellulär aufgenommen [1].

Neuere ADC der 3. Generation zeichnen sich durch eine deutlich höhere Effektivität aus. Das wird durch neue Linkertechnologien und eine höhere Wirkstoffkonzentration
des Konjugats erreicht. An weiteren Verbesserungen der Effektivität wird ständig gearbeitet. Mit einer höheren Wirksamkeit kann aber auch eine höhere Toxizität einhergehen. Das betrifft z. B. Übelkeit und Erbrechen, medikamentenbedingte interstitielle Lungenerkrankungen sowie Alopezie, Fatique und Neutropenie [1].

 

Ausblick

Neben den schon zahlreichen zugelassenen und in den onkologischen Behandlungsalltag integrierten ADC, die hier kurz in einer Synopsis vorgestellt wurden, befinden sich
viele weitere ADC in der klinischen Prüfungsphase bzw. stehen kurz vor ihrer Zulassung. Die einzigartige Kombination aus hoher Selektivität durch den zielgerichteten Antikörperanteil und die hohe zytotoxische Effektivität durch das über einen Linker angekoppelte Zytostatikum steht für eine neue onkologische Medikamentenklasse, die möglicherweise die älteren klassischen Zytostatika irgendwann ersetzen wird [1].

Das Nebenwirkungsspektrum ist vorwiegend durch den Zytostatikaanteil bedingt, ähnlich wie bei den klassischen Zytostatika [1]. Das Management dieser Nebenwirkungen wird durch die bekannten Supportivmaßnahmen der konventionellen Onkologie begleitet und kann durch bewährte und geeignete Maßnahmen der supportiven Komplementärmedizin ergänzt und optimiert werden.

 

[1] Willen C. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate der 3. Generation:
Breite Wirkung im Tumor. Dtsch Arztebl 2022; 119: 31–32.
A-1356/B-1138

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